Erfahrungsbericht:

Eine WWOOFerin erzählt:

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, einmal als WWOOFer unterwegs zu sein. Ich wollte nette Menschen und einen völlig anderen Lebens- und Arbeitsalltag kennenlernen, mehr über den biologischen Anbau erfahren und dabei natürlich jede Menge Spaß haben.

Nun bin ich als Mittdreißigerin nicht im „klassischem“ WWOOF-Alter, aber man muss die Herausforderungen annehmen, wenn sie sich anbieten. Ein halbes Jahr habe ich mich seelisch, moralisch und vor allen Dingen körperlich auf meine berufliche Auszeit vorbereitet. Dies war in Hinblick auf meinen Job im Büro auch dringend notwendig, wollte ich nicht schon am ersten Tag mit Rückenschmerzen und Muskelkater glänzen.

Der Lisilis Biohof war in diesem Sommer mein zweiter WWOOF-Hof, den ich für vier Wochen besucht habe. Meine Erwartungen beschränkten sich auf ein Bett, leckeres Essen und natürlich nette Gastgeber. Nachdem sich diese schon kurz nach meine Ankunft erfüllten, konnte mich wenig aus der Ruhe bringen. Naja, dieser ständige Regen im Rheintal, der nervte mich schon etwas. Hoffte ich doch im „Süden“ auf einen trockenen und warmen Sommer. Nur gut, dass sich die Pflanzen über den täglichen Schauer freuten.

Wer morgens schwer aus dem Bett kommt, sollte lieber einen Strandurlaub buchen und nicht WWOOFen. Denn neben Freizeit um Land und Leute kennenzulernen, besteht der Sinn im WWOOFen darin, seine Arbeitsleistung gegen Kost und Logis zu tauschen. Also, der Tag auf dem Lisilis Biohof beginnt zu Weilen sehr früh. Besonders wenn sich doch mal ein heißer und trockener Tag ankündigt oder die Gemüsekisten ausgefahren werden.

Die überwiegende Arbeit besteht darin das Gemüse zu ernten, herzurichten und zu verkaufen bzw. an die vielen Kunden auszuliefern. Der unliebsame Kelch des Unkrautjätens ging dankenswerterweise an mir vorüber. Dafür durfte ich an zwei Abenden in wahrlicher Akkordarbeit neue Pflanzen setzen, die hoffentlich alle überlebt und viele Menschen erfreut haben.

Ingesamt hatte ich mir die körperliche Arbeit am Hof noch schwerer vorgestellt und war überrascht, dass die Feldarbeit oder das Bündeln von Kräutern etwas Meditatives haben können. Dies mag jedoch auch an der inneren Einstellung zur Arbeit gelegen haben.

Es ist auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, wenn die geernteten Produkte auf dem Markt und im Hofladen verkauft oder in die bestellten Gemüsekisten gepackt werden. Dies ist Belohnung für viele Stunden Handarbeit bei Wind und Wetter oder wie in meinem Fall eben Regen.

Leider gehen schöne Zeiten immer viel zu schnell vorbei, so dass vier Wochen wie im Flug verschwanden. Geblieben sind viele schöne Erinnerungen, das Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben und eine Sehnsucht dieses Erlebnis zu wiederholen.